Geschmackssache: HWGV Kassel auf Quellentour in Bad Wildungen

Einen Mineralwasser- oder Heilwassersommelier gibt es tatsächlich. Also Experten:innen, die wortreich erklären können, welche Geschmacksnoten ein sich gerade im Becher entfaltendes Wasser hat und wie sich verschiedene Quellen voneinander unterscheiden. HWGV- und Geoparkführer Jörg Daniel hielt sich bei seiner Bad Wildunger Quellentour lieber an die (wasser-)weichen Fakten, die auf den Infotafeln, die die Wildunger Kurverwaltung an den Quellhäusern aufgestellt hat, nachzulesen sind.

Die Königsquelle gilt als die älteste Quelle von Bad Wildungen. Der Brunnentempel wurde um 1910 erbaut. Foto: Jörg Daniel

Auch die rund 20 Teilnehmer:innen der 15 km langen Entdeckertour, die im August in die wald- und heilquellenreiche Waldlandschaft des Kellerwaldes führte, verglichen bei der Verkostung ihr Geschmacksempfinden mit den Kohlensäure-, Calzium- und Natriumwerten. Einig waren sich alle, dass ein hoher Kohlensäureanteil ein frisches, perlendes und auch durstlöschendes Wasser erzeugt, während es bei den übrigen Geschmacksparametern durchaus unterschiedliche Präferenzen gab. Ungewohnt auf der Zunge wirkt der hohe Eisenanteil der im Sonderbachtal versteckten Stahlquelle, eine besonders hohe Dosis an allen relevanten Mineralien liefert die auch in der Wandelhalle sprudelnde Helenenquelle, nach Einstufung der Kurverwaltung das „5-Sterne-Heilwasser“ des traditionsreichen Heilbades.

Wie entsteht eigentlich ein Heilwasser? Dazu bekamen die Wanderfreunde bei einem eindrucksvollen Tonschiefer-Aufschluss Infos von Co-Wanderführer Manfred Ellenberger geliefert, der wusste, dass die im Wasser gelöste Kohlensäure, die den Aufstiegsdruck bis zur Oberfläche erzeugt, aus dem Lavagestein (Basalt) der benachbarten Habichtswälder Vulkanregion stammt. Dominanter sind allerdings die viel älteren Sedimentgesteine des Rheinischen Schiefergebirges, dessen östlicher Ausläufer der Kellerwald darstellt, der hier in die einst von Meeren bedeckte, hessische Senke mündet.

Neben diesen Infos und den vielen Heilwasserproben genoss die Wandergruppe den weitgehend ohne gravierende Aufstiege zu bewältigender Marsch durch einen angenehm lau temperierten Wald, der die beiden Kurparke in Reinhardshausen und Bad Wildungen verbindet und den längsten Kurpark Europas ergibt. Am Ende beeindruckten nach den geologischen Schichten auch die meisterhaft aufgebauten Torten der Konditoreien auf der Brunnenallee.

Text: Jörg Daniel, HWGV Kassel

Anstehen für die Heilwasser-Verkostung an der Talquelle. Foto: Klaus-Peter Ihlenfeld
Auf engen Pfaden durch den Kellerwald. Foto: Klaus-Peter Ihlenfeld
Die Wandergruppe an der Stahlquelle im Sonderbachtal. Foto: HWGV Kassel